
Outframe Filmfest: RESISTANCE
Today, 16:00 - Sat 24.10. 04:00
There is a violence in being looked at before you get to speak for yourself, a name attached, a story written, a body turned into a symbol for something it never agreed to carry. Somewhere between the label and the lens, a person becomes an idea, and an idea is so much easier to manage than an actual, specific, complicated human being. This is the colonial gaze at work, a way of seeing built on centuries of white supremacist logic, deciding what someone is before bothering to ask who they are, then holding onto that decision long after the person has answered for themselves a hundred times over.
Sometimes what breaks the cycle is a camera aimed back at whoever built the label in the first place, turning the apparatus of the gaze against itself. Sometimes it is nothing more than living so specifically, so stubbornly as yourself that the flattened version stops making sense to anyone paying attention. Neither film in this block resolves into a clean answer, and neither owes one.
About the films:
BUSHMAN
David Schickele, USA 1971, 72 min
language: english
In 1968, David Schickele set out to make a light comedy with his friend Paul Eyam Nzie Okpokam, a Nigerian graduate student, about navigating countercultural San Francisco as an immigrant. Gabriel, the character Okpokam plays, is barely fiction, sharing his own memories of home and his own bewilderment at a country that keeps deciding who he is without asking. Midway through, the film stops being fiction entirely: Okpokam was arrested for a crime he did not commit while Schickele kept filming, and Bushman ends in his deportation, an act of state violence the camera simply refuses to look away from. The title names the colonial logic it dismantles, a slur that collapsed a specific, funny, complicated man into whatever flattened, interchangeable idea white America found easiest to hold onto.
content note : contains depictions of racism and racial profiling, police violence against protesters, the wrongful arrest and deportation of the film's lead, a verbal reference to childhood abuse, and strong language.
FOUR WOMEN
Julie Dash, USA 1975, 7 min
language: english
Set to Nina Simone's ballad of the same name, dancer Linda Martina Young moves through four figures, each one a stereotype built to contain Black women: Aunt Sarah, Saffronia, Sweet Thing, Peaches, each one carrying its own specific history of violence and erasure. Dash, later part of the L.A. Rebellion film movement, calls it a choreopoem rather than a story, taking categories that were never meant to hold a real person and bending them until they stop functioning.
content note: references to slavery, sexual violence and racist stereotyping, voiced through the film's lyrics and narrative framing rather than shown directly.
German version
Gewalt beginnt manchmal schon mit dem Blick. Damit, dass andere sich ein Bild von einem machen, bevor man selbst die Chance hat, für sich zu sprechen. Dass sie jemandem einen Namen geben, ihm eine Geschichte zuschreiben und seinen Körper zum Symbol für etwas machen, das er nie verkörpern wollte. Irgendwann wird aus einem Menschen eine Vorstellung. Und mit einer Vorstellung lässt sich leichter umgehen als mit einer realen Person, die konkret ist, widersprüchlich, vielschichtig und nicht in eine vorgefertigte Schablone passt. So funktioniert der koloniale Blick. Er entscheidet, was jemand sein soll. Geprägt von Jahrhunderten weißer Vorherrschaft, hält er an diesen Zuschreibungen fest, auch dann noch, wenn die Menschen, über die er urteilt, längst selbst gesprochen haben. Manchmal lässt sich dieser Kreislauf durchbrechen, indem der Blick zurückgeworfen wird. Indem sich die Kamera gegen jene richtet, die ursprünglich darüber bestimmt haben, wie andere gesehen werden. Manchmal liegt der Widerstand aber auch einfach darin, so konsequent man selbst zu sein, dass die vereinfachte Version eines Menschen irgendwann nicht mehr haltbar ist. Keiner der beiden Filme in diesem Programm liefert darauf eine einfache Antwort.
Über die Filme:
BUSHMAN
David Schickele, USA 1971, 72 Min.
Sprache: Englisch
1968 wollte David Schickele gemeinsam mit seinem Freund Paul Eyam Nzie Okpokam eine leichte Komödie drehen. Okpokam, ein nigerianischer Student, sollte darin einen Einwanderer spielen, der sich durch das gegenkulturelle San Francisco der späten 1960er-Jahre bewegt. Seine Figur Gabriel ist dabei kaum von Okpokam selbst zu trennen. Seine Erinnerungen an die Heimat und seine eigene Verwunderung über ein Land, das fortwährend zu wissen glaubt, wer er ist, fließen unmittelbar in den Film ein. Doch auf halber Strecke wird aus der Fiktion Realität: Okpokam wird wegen eines Verbrechens verhaftet, das er nicht begangen hat. Schickele filmt weiter.
Der Titel verweist auf genau jene koloniale Logik, die der Film offenlegt und zerstört. Ein abwertender Begriff, der einen humorvollen und komplexen Mann auf eine diffuse und austauschbare Vorstellung reduziert – auf jene Version, mit der sich das weiße Amerika am bequemsten arrangieren konnte.
Content Note: Der Film enthält Darstellungen und Themen von Rassismus und racial profiling, Polizeigewalt gegen Demonstrierende sowie die unrechtmäßige Verhaftung und Abschiebung des Protagonisten. Zudem gibt es eine verbale Bezugnahme auf Missbrauch in der Kindheit und Kraftausdrücke.
FOUR WOMEN
Julie Dash, USA 1975, 7 Min.
Sprache: Englisch
Zu Nina Simones gleichnamiger Ballade verkörpert die Tänzerin Linda Martina Young vier Figuren: Aunt Sarah, Saffronia, Sweet Thing und Peaches. Jede von ihnen steht für ein Bild, das geschaffen wurde, um Schwarze Frauen auf eine bestimmte Rolle festzulegen. Jede trägt eine eigene Geschichte von Gewalt, Unterdrückung und Auslöschung in sich. Julie Dash, die später Teil der Bewegung des L.A. Rebellion Cinema wurde, versteht Four Women nicht als klassische Erzählung, sondern als Choreopoem. Sie nimmt Kategorien, die nie dazu gedacht waren, einem wirklichen Menschen gerecht zu werden, und setzt sie in Bewegung – so lange, bis sie ihre Gültigkeit verlieren.
Content Note: Der Film enthält Bezüge zu Versklavung, sexualisierter Gewalt und rassistischen Stereotypen. Diese werden über den Liedtext und die erzählerische Rahmung vermittelt und nicht unmittelbar dargestellt.



