
Zur Situation der Frau in Familie und Gesellschaft
Today, 09:00 - 19:00
1973 entwickelten die Kunststudentinnen Evelyn Kuwertz, Brigitte Mauch und Antonia Wernery im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der Hochschule für bildende Künste Berlin unter dem Titel Z ur Situation der Frau in Familie und Gesellschaft ein lebensgroßes Environment. Dabei setzten sie sich mit den medialen Frauenbildern der 1960er und 70er Jahre auseinander und zeigten auf, wie Frauen auf die Rollen Mutter, Hausfrau und Sexualobjekt reduziert wurden – gipfelnd im „Endprodukt Ehefrau“.
Kurz vor der geplanten Eröffnung wurde die Ausstellung aufgrund „sittlicher Bedenken“ zensiert. Seither war das Werk in Berlin nicht mehr vollständig zu sehen. Die Galerie im Körnerpark zeigt die erhaltenen Teile des Environments nun erstmals seit fünfzig Jahren wieder, ergänzt um Skizzen und Archivmaterialien aus Kuwertz’ Privatbesitz, die das Werk als bedeutendes Dokument feministischer Kunstgeschichte in West-Berlin kontextualisieren.
Die Ausstellung eröffnet dabei einen Dialog mit neun zeitgenössischen künstlerischen Positionen und stellt fünfzig Jahre später erneut die Frage: Wie steht es heute um die Situation der Frau in Familie und Gesellschaft? Rechte Bewegungen und Antifeminismus sind weltweit erstarkt, konservative Rollenzuweisungen erleben eine neue Konjunktur und Errungenschaften der MeToo-Ära stehen unter Druck. Die eingeladenen Künstlerinnen knüpfen an die Themen der Emmas an – Care-Arbeit, mediale Konstruktionen von Weiblichkeit, Gewalt gegen Frauen, feministische Bildproduktion – und untersuchen sie auf Kontinuitäten und Brüche.
Die Ausstellung wird durch den Haupstadtkulturfonds gefördert.
Kuratiert von Nina Marlene Kraus
Kuratorische Assistenz Johanna Engemann
In 1973, art students Evelyn Kuwertz, Brigitte Mauch, and Antonia Wernery created a life-size environment as part of their thesis at the Berlin University of the Arts, titled “On the Situation of Women in Family and Society.” They examined media portrayals of women in the 1960s and 1970s, revealing how women were reduced to the roles of mother, housewife, and sex object—culminating in the “final product wife.”
Shortly before the exhibition opening, it was censored due to “moral concerns.” Since then, the work has not been on display again in Berlin. Galerie im Körnerpark is now exhibiting the surviving parts of the environment for the first time in fifty years, accompanied by sketches and archival materials from Kuwertz’s private collection, contextualizing the work as an important document of feminist art history in West Berlin.
The exhibition initiates a dialogue with nine contemporary artistic perspectives and, fifty years later, raises once again the question: What is the situation of women in family and society today? Right-wing movements and anti-feminism have risen worldwide, conservative gender roles are experiencing a resurgence, and the achievements of the #MeToo era are severely under pressure. The invited artists take up the topics of the “Emmas”—care work, media’s constructions of femininity, violence against women, and feminist image production—tracing continuities and ruptures.
The exhibition is supported by the Capital Cultural Fund.
Curated by Nina Marlene Kraus
Curatorial Assistant Johanna Engemann